Entdeckungen – 6. Hamburger Kammermusikfest International vom 08. September bis 04. Oktober 2015

Ensemble Blumina and friends Hochformat_smallDas Kammermusikfest des Vereins Musikförderung classic e.V. war in den ersten 5 Ausgaben unter dem Namen „Russisches Kammermusikfest Hamburg“ ausschließlich der Rezeption Russischer Musik und im letzten Jahr mit „Bonjour la Russie“ der besonderen kulturellen Verbindung zwischen Russland und Frankreich gewidmet. Nun erweitert sich der Schwerpunkt um die spannenden, sich gegenseitig inspirierenden Beziehungen zwischen der westeuropäischen Musikkultur und dem kompositorischen Reichtum der russischen Kammermusik. Entsprechend spiegelt der leicht veränderte Name „Hamburger Kammermusikfest International“ ab der 6. Ausgabe diese Entwicklung wider − unterstützt von mehreren Hamburger Stiftungen (vornehmlich der Hans-Kauffmann-Stiftung). In bewährter Weise gilt es auch weiterhin außergewöhnliche Werke bekannter und unbekannterer Komponisten von der Spätromantik bis zur Moderne und dabei die gegenseitigen Verbindungen, Beeinflussungen und Inspirationen zu erschließen. In den Konzerten geht es aber nicht in erster Linie nur um eine musikwissenschaftliche Herangehensweise, sondern um den Hörgenuss und die Erweiterung der Hörgewohnheiten sowie das Entdecken außergewöhnlicher Komponisten und deren Werke.

Die Entdeckung in diesem Jahr ist zum einen der Komponist Grigori Frid (1915-2012), der 2015 seinen 100. Geburtstag feiern würde, zum Anderen aber auch der vor 50 Jahren von ihm gegründete und noch heute bestehende „Moskauer Jugend-Musik-Club“. Dieser bildete − von der westeuropäischen Öffentlichkeit nahezu unbemerkt − ein geistiges Zentrum der musikalischen Elite seines Landes.

In Grigori Frids Musik-Club wurden Seminare und Konzerte angeboten, die oft inoffiziell neue Werke von z.B. Sofia Gubaidulina, Edison Denissow und Alfred Schnittke präsentierten, auch Schostakowitsch und Weinberg hatten dort ihre Premieren. Jeden Donnertag wurde musiziert, diskutiert und vorgestellt. Bis heute spiegelt sich in diesem Club das russische Musikleben der letzten Jahrzehnte wider. Denn nicht zuletzt waren solche Größen wie Emil Gilels, Natalia Gutman, Vassily Lobanov, Yuri Bashmet und Swjatoslaw Richter ständige Gäste. Aber nicht nur russische Musik sondern auch westeuropäische Werke von Beethoven, Brahms, Schumann u.v.a. konnte das Publikum dort genießen. Grigori Frid verstarb an seinem 97. Geburtstag. Den Club leitet heute unter dem Namen „Frids Moskauer Musik-Club“ der bekannte russische Komponist Alexander Wustin, einer der engsten Vertrauten Frids.

Zwei junge französische Solisten eröffnen das Hamburger Kammermusikfest International 2015: Der Cellist Aurélien Pascal (Grand Prix Gewinner des Emmanuel Feuermann Wettbewerbes 2014) gibt in Hamburg sein Debüt zusammen mit dem Pianisten Pierre-Yves Hodique, der im Jahr 2011 in Moskau beim 14. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb für Violoncello als bester Klavierbegleiter ausgezeichnet wurde.

Zu den weiteren Konzerten werden wieder viele hervorragende Musiker erwartet: u.a. der Pianist Bruno Canino und das Vogler Quartett, das hier in Hamburg zum ersten Mal das 5. Streichquartett von Grigori Frid spielen wird; gemeinsam werden sie das „grandiose“ Klavierquintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms spielen.

Ein ganz besonderes Konzerterlebnis wird die Uraufführung von Al Ravin, gewidmet dem Hamburger Kammermusikfest International. Dazu werden selten gehörte Werke von Komponisten wie Alexander Gretchaninov, Arnold Brax oder Alexander Tcherepnin und seinem Sohn Ivan −  gepaart mit bekannteren Werken von Frédéric Chopin oder Claude Debussy zu hören sein. Als Interpreten hierfür konnten die Solo-Harfenistin des Israel Philharmonic Orchestra Julia Rovinsky, zusammen mit Barbara Buntrock, Viola und Claudia Stein, der Soloflötistin der Berliner Staatskapelle gewonnen werden.

Erstmals gastiert das Kammermusikfest auch außerhalb von Hamburg. In Stade gibt Elisaveta Blumina einen Klavier-Soloabend u.a. mit „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski. Und auf eine musikalische Reise quer durch die Klassik geht das junge Bläserquintett Munich Winds und wird neben Klezmer auch mit einigen Jazzstücken überraschen. Mit Werken von Weinberg, Schostakowitsch, Schumann und natürlich Frid beschließen der neue erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker Noah Bendix-Balgley, Violine, zusammen mit der künstlerischen Leiterin des Kammermusikfestes Elisaveta Blumina am Klavier, mit Andrei Gridchuk, Viola, und Danjulo Ishizaka, Violoncello, das diesjährige Hamburger Kammermusikfest.
Bewährt hat sich übrigens auch das Podium „classicYoungstRs“, bei dem junge preisgekrönte Nachwuchsmusikerinnen und -musiker außergewöhnliche Werke im Rahmen der jeweiligen Programmatik extra für das Hamburger Kammermusikfest einstudieren und somit in ihr Repertoire aufnehmen. In gleich 2 Konzerten werden in diesem Jahr einige Kostproben davon zu hören sein. Der vielversprechende belgische Pianist Florian Noack und der junge deutsche Geiger Lukas Stepp geben Kostproben ihrer Virtuosität. Und immer wieder entdeckt die Pianistin Mara Mednik für das Kammermusikfest neue herausragende Talente. Dieses Mal spielt sie mit der rumänischen Geigerin Ioana Cristina Goicea und dem Spanier Fermín Villanueva ein wirklich überraschendes Programm.

Näheres siehe unter: http://www.musikfoerderung.de

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