Belaieff-Konzertreihe lädt am 26. April 2013 zu einem Kammermusikabend ein

 

Hamburg. Am 26. April 2013 findet um 20 Uhr in der Alfred Schnittke Akademie Hamburg das nächste Belaieff-Konzert statt – ein Kammermusikabend mit Werken für Viola, Kontrabass und Klavier.
Zur Aufführung gelangen die Sonate D-Dur von Johann Matthias Sperger, das Große Duett von Galina Ustwolskaja (in einer Transkription für Kontrabass und Klavier), die Sonate in C op. 147 von Dmitri Schostakowitsch sowie „Quasi Hoquetus“ von Sofia Gubaidulina (ebenfalls in einer Bearbeitung für Kontrabass und Klavier).

Größer könnten die Gegensätze im ersten Programmteil kaum sein: Zwischen der klassischen Eleganz und Gefälligkeit der Kontrabass-Sonate von Johann Matthias Sperger und Galina Ustwolskajas Großem Duett in seiner Schroffheit und Radikalität liegen Welten!

Sperger (1750-1812) wurde in Wien zum Kontrabassisten und Komponisten ausgebildet. Nach 20-jährigem Wirken an den Hofkapellen österr.-ungar. Grafen und Erzbischöfe wurde er 1789 erster Kontrabassist der Mecklenburgisch-Schweriner Hofkapelle in Ludwigslust. Er schrieb mehr als 44 Sinfonien, Konzerte (darunter 18 für Kontrabass), Sonaten, Tänze, Kantaten, Chöre und Arien.

Galina Ustwolskajas (1919-2006) OEuvre wurde beschrieben als „Meteorit in der musikalischen Welt“, ihr Stil als „kraftvoll, energetisch, sperrig, von eigenwilliger Dichte und kompromissloser Entschiedenheit, klar und geradlinig.“ Andere Etikettierungen wie „Kammermusik“ oder „religiöse Musik“ lehnte sie stets strikt ab. „Die von Ustwolskaja in ihren ungezügelten Extremen eingesetzten musikalischen Werte hoch und tief, laut und leise, schnell und langsam, gelangen in Verbindung mit dem reduzierten Tonmaterial und geradezu obsessiv wiederkehrenden rhythmisch-melodischen Modellen zu elementarer Wucht.“ (Christian Esch)

Die Sonate für Viola und Klavier op. 147 ist Schostakowitschs letztes vollendetes Werk. Drei Tage nachdem die Reinschrift des Manuskripts in die Hände des Widmungsträgers Fjodor Druzhinin  gelangt war, starb er (am 9. August 1975). Es war ihm nicht mehr vergönnt, sein Werk zu hören. Freunde veranstalteten in seiner Wohnung zu seinem 69. Geburtstag am 25. September ein Gedenkkonzert, bei dem die Sonate erklang. Die offizielle, posthume Uraufführung fand am 1. Oktober 1975 im Glinka-Saal der Leningrader Philharmonie statt.

Wie viele Spätwerke Schostakowitschs ist auch dieses auf ein Minimum an Virtuosität reduziert und von einem langsamen Satz als emotionalem Zentrum geprägt. Der ruhig dahinfließende und dennoch leidenschaftliche Klangstrom verbreitet Gefühle von Abschied und Tod.

In „Quasi hoquetus“ greift Sofia Gubaidulina auf die mittelalterliche Hoquetus-Technik zurück (vom bretonischen Wort für „Schluckauf“ abgeleitet). Eine Melodie wird in Fragmente zerschnitten und wandert im durchbrochenen Satz durch alle Stimmen. Bei Gubaidulina umfasst dieser Ansatz alle Elemente des Materials (Melodie, Harmonik, Klangfarbe), wobei zwischen den Instrumenten keine thematisch-motivischen Bezüge hergestellt werden. In dieser instabilen „Anti-Struktur“ sorgen Mixturklänge, Glissandi und Cluster zusätzlich für tonale Unbestimmtheit.

Irina Kolesnikova (geb. in Minsk, Belarus) schloss 1996 ihr Studium am Leningrader Konservatorium ab als Musikpädagogin, Konzertpianistin und Kammermusikerin. Seit 1999 lebt sie in Hamburg, wo sie als Korrepetitorin an der Hochschule für Musik und Theater sowie am Konservatorium tätig ist. Sie hat sich einen Namen gemacht als Partnerin von diversen Instrumental- und Gesangssolisten.

Vladimir Botchkovskiy (geb. 1974 in der Ukraine) erhielt zunächst Geigenunterricht und begann mit elf Bratsche zu spielen. In Moskau studierte er am Konservatorium bei Fjodor Druzhinin, dem Bratschisten des legendären Beethoven-Quartetts. 1994 setzte er sein Studium an der Hamburger Musikhochschule fort. Er war Bratschist im NDR-Sinfonieorchester und konzertierte mit den Hamburger Symphonikern. Außerdem musizierte er in div. Kammerensembles (Hamburger Camerata, Scardanelli Quartett u.a.) und trat als Solist im In- und Ausland auf. Seit 2005 ist er Bratschist beim Aalborg Symphonieorchester (Dänemark).

Alexander Suslin (geb. 1971 in Moskau) lebt seit 1982 in Deutschland und studierte am Hamburger Konservatorium. 1991 wurde er Mitglied des Improvisationsensembles „Astrea“ mit Sofia Gubaidulina und Viktor Suslin. Seit 1994 lehrt er Kontrabass und E-Bass an der Musikschule Pinneberg. 2010 wurde er mit dem Kulturpreis der Stadt Pinneberg ausgezeichnet. Als Solist und Kammermusiker konzertierte er in vielen Ländern Europas sowie in Japan und Russland.

Ort der Veranstaltung: Alfred Schnittke Akademie Hamburg, Max-Brauer-Allee 24, Hamburg-Altona
Uhrzeit: 20 Uhr
Eintritt: € 15; ermäßigt € 10

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