Elisaveta Blumina tritt erneut in der Belaieff-Konzertreihe auf

Hamburg. Am 11. Februar 2011, 20:00 Uhr,  findet in der Alfred-Schnittke-Akademie, Max-Brauer-Allee 24, das nächste Konzert der Belaieff-Konzertreihe statt. Es tretten auf: Elisaveta Blumina und Vladimir Sint (Klavier). Programm-Schwerpunkte sind  Silvestrov, Weinberg, Suslin, Tschaikowsky, Gavrilin.

Der Solo-Teil ist Komponisten gewidmet, deren Werke schon des öfteren bei Belaieff-Konzerten aufgeführt wurden.  Eine Besonderheit ist: Im ersten Teil erklingen Werke, die am Anfang der musikalischen Laufbahn des jeweiligen Komponisten stehen.

Naive Musik ist eines der frühesten Werke Silvestrovs. Obwohl diese romantischen Miniaturen 1993 überarbeitet wurden, behielten sie die ursprüngliche Frische der ersten „Federstriche“ des 17-Jährigen bei. Damals war er noch Student für Bauwesen und hatte noch nicht von einer professionellen Komponisten-Karriere geträumt, jedoch hatte er schon eine Vorliebe für die Werke Chopins, Mozarts, Griegs und Brahms.

Mieczyslaw Weinberg floh als junger polnischer Jude 1939 vor den Deutschen in die UdSSR. Sein Leben ist vom Verlust seiner gesamten Familie, die im KZ ums Leben kam, der Ermordung seines Schwiegervaters, Solomon Michoëls, und seiner eigenen Verhaftung unter Stalin überschattet. Die Stücke, die in den Kinderheften op. 16 zusammengefasst sind, schrieb Weinberg mit 25 im Jahr 1944. Ob und inwiefern es sich um eigene Kindheitserinnerungen handelt, bleibt offen: Viele Stücke durchzieht ein bitterer, tragischer Unterton, was Anlass zu dieser Annahme gibt.

Viktor Suslin schrieb die Sonatine als 19-jähriger Student im 1. Semester am Konservatorium von Charkow. Von der westeuropäischen Avantgarde wusste er damals so gut wie nichts.  Das „Tor“ ins musikalische 20. Jh. war für ihn die Musik Prokofjews, die dieser vor seiner Rückkehr in die UdSSR komponiert hat. Die Sonatine widmete Suslin seinem Klavierlehrer Vsevolod Topilin, der vor dem Krieg Assistent von Heinrich Neuhaus in Moskau (und persönlich mit Prokofjew bekannt) war und nach dem Krieg ein Gefangener des Gulag.

Obwohl Silvestrovs Kitsch-Musik und Naive Musik eine Zeitspanne von mehr als 20 Jahren trennt, haben diese Zyklen viel miteinander gemeinsam. Im Unterschied zur Naiven Musik ist die Kitsch-Musik jedoch alles andere als naiv, was schon am ironischen Titel zu erkennen ist. Sie entstand nach der über 10-jährigen „avantgardistischen“ Periode Silvestrovs, die viel radikaler war als bei seinen berühmten Moskauer Kollegen Volkonsky, Denissow oder Schnittke. Deshalb kann die Kitsch-Musik als eine stille „Meuterei“ aufgefasst werden, als ein Versuch, sich aus der Intonationssackgasse der seriellen Technik zu befreien.

Elisaveta Blumina hat sich auf den großen internationalen Bühnen, bei zahllosen Festivals und Wettbewerben als Solistin und Kammermusikerin einen Namen gemacht. Sie stammt aus St.Petersburg, wo sie 16-jährig mit Brahms‘ Klavierkonzert Nr. 1 debütierte. Später studierte sie auch in Hamburg und Bern. Fernsehauftritte, Rundfunkeinspielungen und CD-Aufnahmen festigten ihren Ruf als außergewöhnliche Interpretin. Ihr Repertoire reicht von der Klassik bis zur zeitgenössischer Musik. Beim Label „cpo“ entsteht gerade eine CD-Serie mit Klavier- und Kammermusikwerken von Mieczyslaw Weinberg.

Vladimir Sint (*1998, USA) lebte als Kind in Rom, Genf und Madrid. Mit 4 Jahren sang er im Kinderchor der Madrider Oper und begann Klavier und Geige zu lernen. Zur Zeit lebt er mit seiner Familie in Dublin, wo er die „Royal Academy of Music“ besucht. Sint ist u.a. mehrfacher Preisträger bei „Jugend musiziert“.

Das Konzert-Programm:
Valentin Silvestrov (*1937)
Naive Musik (1954 / rev. 1993) (Deutsche Erstaufführung)
Walzer + Nocturne + Märchen + Idylle (Mai 1955) + Nocturne + Präludium + Walzer
Mieczyslaw Weinberg (1919 – 1996)
5 Stücke
aus dem „Kinderheft“ op. 16 (1944)

Viktor Suslin (*1942)
Sonatine (1961) (Deutsche Erstaufführung)

Valentin Silvestrov
Kitsch-Musik (1977); (Deutsche Erstaufführung)
Allegro vivace + Moderato + Allegretto + Moderato + Allegro
Zwei Walzer (2009), E. Blumina gewidmet, (Deutsche Erstaufführung)

Peter Tschaikowsky(1840 – 1893)
Bearbeitung für Klavier zu 4 Händen aus dem Ballett „Der Nussknacker“
Tanz der Rohrflöten + Marsch + Tanz der Zuckerfee

Valeri Gavrilin(1939 – 1999)
3 Skizzen(1970) aus dem 18-teiligen Zyklus „Skizzen“

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