In memoriam J.S.B. – Valeri Krivoborodov tritt in der Beljaeff-Konzertreihe auf

Im Mittelpunkt des Cello-Abends am 7. Mai 2010 in Hamburg steht Johann Sebastian Bach.
Seine Suiten für Violoncello solo gelten sowohl als „Quintessenz“ des Repertoires für Cellisten als auch der Musik Bachs überhaupt. Hier finden wir fast alle wichtigsten Elemente seiner Musiksprache und Rhetorik, die nicht nur in den Instrumentalsuiten, Sonaten und Partiten vorkommen, sondern auch in seinen Konzerten und Kantaten.
Die Entstehungsgeschichte dieses Zyklus’ ist wenig bekannt. Man geht davon aus, dass Bach die Suiten in seiner Köthener Zeit um 1720 komponiert hat. Das Autograph ist verschollen. Moderne Notenausgaben basieren auf verschiedenen frühen Abschriften.
Außerdem haben das heutige Cello und sein Bogen kaum etwas gemein mit den Instrumenten des 18. Jahrhunderts. So ist die Suite Nr. 6 gar nicht für Violoncello geschrieben, sondern für ein anderes Instrument mit fünf Saiten und einer zusätzlichen hohen e-Saite. Bis heute streiten sich die Fachleute darüber, um welches Instrument es sich dabei handeln könnte. Heutzutage wird diese – im übrigen technisch anspruchsvollste – Suite zumeist auf modernen Instrumenten gespielt, wobei jedoch einige Akkorde, die auf einem „normalen“ Cello unspielbar sind, diesem angepasst werden müssen. Im Aufbau ähneln sich die Suiten: Prelude –Allemande – Courante – Sarabande – Menuett I/ II (bzw. Gavotte I/II) – Gigue.

Doch hinter dieser „Uniform“ verbirgt sich ein so großer Kosmos musikalischer Gestalten, Rhythmen, melodischer Figuren und harmonischer Offenbarungen, dass es sinnlos ist, darüber zu schreiben: Man muss ihn hören.

Wichtig ist zu begreifen, welche Rolle Bach in der UdSSR spielte, in einem Land, in dem die Heilige Schrift jahrzehntelang verboten war, wo jedoch die Kommunisten nicht als Barbaren und Obskuranten gelten wollten und deshalb nicht wagten, auch die Musik Bachs zu verbieten.
So wurde diese – volens nolens – zu einem Eckstein im Fundament der musikalischen Ausbildung. Auf diese Weise wurde die Musik Bachs für viele Menschen zu einer Art „klingender Evangelium“ (was sie ja im Grunde auch ist).

Das Konzert wird umrahmt von einem Stück von Valentin Silvestrov – „28. Juli 1750 … in memoriam J.S.B.“, was etwas mehr ist als nur ein Gelegenheitswerk (noch zwei weitere Werke Silvestrovs sind Bach gewidmet: „21. März 1685… zum Geburtstag von J. S. B.“ für 2 Violoncelli, 2004, und „Widmung an J. S. B.“ für Violine und Klavier, 2009).
Da der 28. Juli 1750 das Todesdatum Bachs ist, ist diese Meditation über Leben und Tod in seiner schlichten Ernsthaftigkeit natürlicherweise mit einigen Momenten der Suite Nr. 2 verknüpft.

Das zweite Werk von Silvestrov – „Walzer der Alpenglöckchen“ – ist ein zartes, frisches, von Licht und Luft durchdrungenes Stück, das ausschließlich auf den kristallinen Klängen von Naturflageoletts und leeren Saiten aufgebaut ist.

Valeri Krivoborodov (geb. 1947 in Moskau) ist Erster Solocellist der Hamburger Symphoniker.
Im Alter von 4 Jahren begann er Cello zu spielen; als Siebenjähriger erhielt er Klavierunterricht, später kam die Geige hinzu. 1953 wurde er in die Zentrale Musikschule am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium aufgenommen. Mit 8 Jahren gab er sein erstes öffentliches Konzert, mit 13 trat er als Solist mit Haydns Cellokonzert auf. Seine anschließenden Studien am Gnessin-Musikinstitut und am Konservatorium beendete er 1974 mit der Promotion. In dieser Zeit hatte er bereits mehrere Preise und ein Diplom für die Teilnahme am Tschaikowsky-Wettbewerb (1972) erlangt.
Bis zu seiner Emigration nach Deutschland 1980 hatte Krivoborodov einen Lehrauftrag für Violoncello und Kammermusik am Gnessin-Musikinstitut inne. 1970-80 war er Mitglied des Moskauer Klaviertrios der Staatlichen Moskauer Philharmonie und 1972-80 Solocellist des Moskauer Kammerorchesters unter Rudolf Barschai. Konzertreisen mit beiden Ensembles führten ihn durch die UdSSR, Europa, Amerika und Asien.
1980 erhielt Krivoborodov ein Engagement als Erster Cellist (mit zahlreichen Solo-Verpflichtungen) bei den Hamburger Symphonikern, so war er z.B. 1991 Solist der Hamburger Erstaufführung des Cellokonzerts Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch.
Ferner konzertierte er im In- und Ausland mit dem Philharmonischen Kammerorchester Hamburg (seit 1985) und wurde Mitglied des „Schostakowitsch-Quartetts Hamburg“ (1990), des Streichquartetts „Moscow Chamber Soloists“ (1991) und des „Hamburger Klavier-Trios“ (1992)

Näheres über das  Programm des Konzerts erfahren Sie unter:  www.belaieff-konzerte.de

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