Netrebko und Gergiev beziehen Sommerresidenz in Baden-Baden

BADEN-BADEN.  Die Sommerfestspiele 2009 stehen im Festspielhaus Baden-Baden ab dem 18. Juli ganz im Zeichen der großen russischen Meister und ihrer aktuellen vorwiegend russischen Interpreten. Wenn Valery Gergiev sowie Chor- und Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg im Festspielhaus Baden-Baden ihre Sommerresidenz beziehen, sind alle Zeichen auf höchste russische Klangkultur gestellt. Ähnlich wie in der Anfangsphase des Festspielhauses wird die Mannschaft aus St. Petersburg dann für eine ganze Weile lang sowohl im Opern- wie im Konzertbereich alle Register ihres Könnens ziehen.

Höhepunkt des Sommer-Gastspiels sind die beiden Opern-Einakter „Aleko“ von Sergej Rachmaninow und „Jolanthe“ von Peter Tschaikowsky. Die Sängerbesetzung gehört dabei zum Exklusivsten was man sich derzeit wünschen kann. In Tschaikowskys letzter Oper singt Anna Netrebko die Hauptrolle der blinden Königstochter Jolanthe. Ihr zur Seite steht der polnische Tenor Piotr Beczala, der den Graf Tristan Vaudemont verkörpert.

Piotr Beczala debütierte in dieser Spielzeit mit gleich drei Partien an der Metropolitan Opera New York: als Lenski in Tschaikowskys „Eugen Onegin“, in der Rolle des Duca di Mantova in Verdis „Rigoletto“ sowie als Edgardo in Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Bei Peter Tschaikowskys „Jolanthe“ handelt es sich um die letzte Oper des russischen Altmeisters. Entstanden ist sie nach anfänglicher Schreibblockade in einer Art Schaffensrausch im Spätsommer 1891, nachdem Tschaikowsky die Arbeiten an seinem „Nussknacker“-Ballett  zurückgestellt hatte. (Die Oper handelt von der von Geburt an blinden Königstochter, die – lange hat es ihr Vater vorenthalten können,  dass es so etwas wie das Augenlicht gibt – von ihrem Gebrechen erfährt und schließlich von dem weisen Mauren Ibn Hakia geheilt wird.)

„Ich werde eine Musik schreiben, die der Welt Tränen entlockt“, vertraute Tschaikowsky seinem Bruder Modest an. Er sollte damit Recht behalten, denn die Uraufführung der hintergründigen, an psychoanalytischen Symbolen reichen Oper mit glücklichem Ende, die am 6. Dezember 1892 stattfand, war ein Publikumserfolg.
Neben ausgezeichneten Solisten aus dem Ensemble des Mariinsky-Theaters wird außerdem der Bass-Bariton John Relyea als Aleko in Rachmaninows gleichnamiger Oper auf der Baden-Badener Opernbühne stehen. John Relyea war in dieser Saison unter anderem in einer Neuproduktion von „Macbeth“ an der Metropolitan Opera New York zu erleben, die weltweit im Kino in HD Qualität ausgestrahlt wurde. Sergej Rachmaninows zu Unrecht kaum bekannte Oper „Aleko“ ist ein leidenschaftliches musikalisches Fresko, das in dramatischer Weise die widersprüchlichen Seelenzustände ihrer Akteure zum klingen bringt. Die Dichte des rund einstündigen Handlungsgeschehens um Freiheit, Liebe und Eifersucht und die Fülle der Details ist ebenso bemerkenswert wie die brillante, streckenweise impressionistische Züge annehmende Instrumentation und der melodische Einfallsreichtum. Dabei komponierte Rachmaninow die Oper nach Alexander Puschkins Poem „Der Zigeuner“ in nur 17 Tagen (1892) – als Examensarbeit, mit welcher der  damals 19-jährige sein Studium mit Auszeichnung abschloss.

„Die russische Oper“, so Gergiev, „ist ein gigantischer Bereich der Weltkultur. Sie ist etwas, dem man, wenn auch nicht sein ganzes Leben, so doch einen beträchtlichen Teil davon widmen kann. Genau das ist es, was ich tue.“ Viele zauberhafte Werke wie „Aleko“ und „Jolanthe“ warten noch immer auf ihre Entdeckung durch das große Publikum. Und genau hierfür will sich Gergiev auch in den nächsten Jahren verstärkt einsetzen. Sein Fazit: „Man muss blind und taub sein, diese Opern nicht zu mögen.“ Für alle vier Aufführungen sind noch Rest- und Stehplätze an der Abendkasse zu haben.

Schostakowitsch im Mittelpunkt der Konzerte
Im Konzertbereich interpretieren Gergiev und seine Musiker des Mariinsky-Orchesters eine Auswahl der Sinfonien ihres Landsmannes Dmitri Schostakowitsch. Originalgetreuer kann man sich einen Schostakowitsch-Zyklus kaum vorstellen. Schostakowitsch hatte Zeit seines Lebens unter großem politischem Druck komponiert und gearbeitet. 1936 war er über Nacht durch den Artikel „Chaos statt Musik“ in der Parteizeitung „Prawda“ vom international geschätzten Komponisten zum Volksfeind erklärt worden.  Seitdem lebte Schostakowitsch in ständiger Angst, der großen „Säuberung“ Stalins zum Opfer zu fallen. Diese Einflüsse und Zwiespälte zwischen Musik und Politik sind in seinen Sinfonien unverkennbar zu hören.

Im Festspielhaus Baden-Baden stehen an vier Abenden die Sinfonien Nr. 1, 5, 7 „Leningrad“, 13 „Babi Jar“ und 15 auf dem Programm. Diese werden mit Modest Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“ sowie mit hochkarätig besetzten Solistenkonzerten von Rachmaninow und Schostakowitsch gekoppelt.

So erleben Sie den armenischen Geiger Sergey Khachatryan mit dem 1. Violinkonzert und den russischen Pianisten und Tschaikowsky-Wettbewerb Preisträger Denis Matsuev mit dem 1. Klavierkonzert von Schostakowitsch. Alexei Volodin spielt an den beiden letzten Abenden sowohl das populäre zweite als auch das dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow, welches auf Grund seiner extremen technischen Anforderungen auch gerne als „Elefantenkonzert“ bezeichnet wird.

Näheres zum Programm erfahren Sie unter:  www.festspielhaus.de

Quelle: Festspielhaus Baden – Baden

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